Portfoliotheorie von Markowitz aka Diversifikation – Das A und O auch beim Trading???

tf1 Team 29. Juli 2009 0

Häufig liest man in der einschlägigen Fachliteratur folgenden Satz: „Diversifikation sei das A und O im Börsenhandel und das könnte einem jeder erfolgreiche Börsianer bestätigen und wäre schließlich auch seit Harry M. Markowitz und seiner Portfoliotheorie bewiesene Sache!“

Aussagen dieser Art nötigen mich förmlich dazu, wieder mal ein paar Gedanken zu „Papier“ zu bringen, etwas Brainstorming zu betreiben und meine Antwort darauf bewusst provokant zu formulieren, um damit bewusst zur Diskussion aufzufordern. Gleichzeitig weise ich jedoch darauf hin, dass sich meine nachfolgenden Aussagen nicht auf den Systemhandel beziehen. Hier kann es nämlich durchaus sinnvoll sein, seine Handelsstrategien und sein Handelsportfolio etwas stärker zu streuen.

Der Nobelpreisträger Markowitz ist sicherlich ein schlauer Kopf, aber eben „nur“ ein genialer Theoretiker. Denn ganz nebenbei bemerkt, weist sein Konzept mehrere eklatante Schwächen auf, die ich später noch näher erläutern werde. Man sollte niemals etwas für die einzige Wahrheit halten und es dann auch noch weiter verbreiten, ohne sich nicht selbst darüber Gedanken gemacht zu haben! Auch wenn es noch so viele Verfechter gibt – die Masse liegt bekanntlich häufig (nicht immer) falsch.


Diese Strategie wird so oft und an so vielen Orten zitiert, dass sie durch die ständige Bestätigung eine Aura der Wahrheit angenommen hat. Man sollte sie daher mit größter Sorgfalt prüfen, ehe man sie in sein „Spekulationsarsenal“ aufnimmt. Ich für meinen Teil komme jedenfalls zu einem anderen Schluss. Denn sein Konzept gaukelt lediglich eine falsche Vorstellung von Sicherheit vor. Spekulanten lieben solche Konzepte, da sie gerne den chaotischen Markt in den Griff bekommen wollen. Und nur deshalb findet sein Modell in der breiten Öffentlichkeit solch starken Anklang.

Ich behaupte jetzt einfach mal ganz provokant und frech: „Widersteht dem Reiz der Diversifikation“! Schon alleine der Umstand, dass es in der Welt der Spekulation und des Investments eine eigene Begrifflichkeit dafür gibt, ist ein sicherer Hinweis darauf, dass dieses Konzept völlig überschätzt wird. Schließlich könnte man es ja ganz einfach „Vielfalt“ nennen. So wie es in Börsenkreisen verwendet wird – die Politik bedient sich dieser Vorgehensweise bekanntlich auch ganz gerne (nur zu oft kommt das Unwort des Jahres aus dem Munde eines „politischen Würdenträgers“) – bedeutet dieses Wort die Streuung des Kapitals auf viele verschiedene Anlageinstrumente. Es bedeutet also, dass man sein Kapital auf viele kleine Spekulationen verteilen sollte, statt auf wenige große. Dahinter steckt die bereits genannte Vorstellung von Sicherheit. Soviel zur Theorie.

Bei den konventionellen „Investmentratgebern“ ist das diversifizierte Portfolio eines der erstrebenswertesten finanziellen Spekulations- bzw. Investmentziele. Nur eine Sache steht noch höher im Kurs: Ein diversifiziertes Portfolio, das ausschließlich 100%-Chancen enthält. Wenn man das hat, kann nichts mehr schief gehen – so wird es einem zumindest mit solchen Theorien suggeriert.

Tatsache ist jedoch: Diversifikation verringert zwar das Risiko, aber sie verringert im gleichen Maß den Profit (ähnlich den vermeintlich marktneutralen – sog. deltaneutralen Strategien) und damit jegliche Hoffnung, dass man mit dieser Vorgehensweise einen gewissen Wohlstand erreicht. Also für was dann das Ganze. Die Absicherung gegen alle möglichen Eventualitäten ist sowieso nicht möglich und daher auch nicht nötig. Schließlich gibt es ja auch im Versicherungswesen genügend Policen, die so überflüssig sind wie ein „Kropf“! Genau aus demselben Grund der vermeintlichen Sicherheit.

Aber darin sind wir Deutschen ja Weltmeister. Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes haben wir letztes Jahr pro Kopf ca. 700€! für Versicherunmsprämien ausgegeben. Dies zeigt einmal mehr, wie risikoavers Bundesbürger allgemein sind. Und es hat noch niemand Wohlstand und Reichtum erlangt, ohne ein vertretbares Maß an Risiko eingegangen zu sein – in keinem Geschäftszweig. Warum sollten da Börsenspekulationen eine Ausnahme machen?


Wie Eingangs erwähnt hat Diversifikation mindestens drei gravierende Nachteile:

1. Sie zwingt zur Verletzung des Grundkonzepts (einem Zürich-Axiom), dass man immer bedeutende Beträge einsetzen sollte. Was besagt diese Axiom? Beispiel: Wenn man 100€ riskiert (das würden die meisten Menschen wohl als verschmerzbar ansehen) und seinen Einsatz verdoppelt, hat man 100€ gewonnen – toll! Dadurch hat sich die allgemeine finanzielle Situation ja gewaltig geändert – zumal es bei der nächsten Spekulation genau anders herum laufen kann.

Man kann dieses System nur überwinden, indem man um bedeutende Einsätze spekuliert. Das soll nun nicht bedeuten, dass man Summen einsetzen sollte, deren Verlust einen in die Pleite treiben würde. Aber es heißt, dass man die Furcht vor einem Schaden (Verlust-Trade), der an der Börse unweigerlich öfters eintreten wird, überwinden muss. Wenn eine Summe so klein ist, dass ihr Verlust keinen Unterschied ausmachen würde, dann wird sie wahrscheinlich auch keinen bedeutenden Gewinn einbringen. Große Gewinne mit kleinem Einsatz gibt es nur beim Deutschen Lottoblock. Und diese Wahrscheinlichkeiten sind wohl eher verschwindend gering.

Also wenn das zur Verfügung stehende Kapital schon in seiner Gesamtheit nicht besonders groß ist, bedeutet Diversifikation nicht anderes, als eine weitere Verschlechterung der Aussicht auf  meßbaren Profit. Je stärker man diversifiziert, desto kleiner werden die Spekulationen. Im Extremfall handelt es sich nur noch um wirklich triviale und homöopathische Summen.

2. Durch Diversifikation schafft man lediglich eine Situation, in der sich Gewinne und Verluste, unter Berücksichtigung von Transaktionskosten, auf Dauer wahrscheinlich nur ausgleichen werden. Mit dieser Strategie tritt man auf der Stelle und bleibt am Punkt Null stehen. Die ganze Sache ist nur eine Verschwendung von Ressourcen. Welchen Sinn sollte diese Unterfangen haben? Man muss zugeben – eine berechtigte Frage!

3. Durch Diversifikation wird man zu einem Jongleur, der sich bemüht, zu viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Wenn man nur wenige Spekulationen eingegangen ist, von denen dann eine oder zwei nicht aufgehen, kann man Gegenmaßnahmen ergreifen. Wenn man aber mit einem Dutzend Bällen jongliert, von denen die Hälfte in die falsche Richtung fliegen, stehen die Chancen nicht gut, aus diesem Dilemma mit einem blauen Auge herauszukommen.

Je mehr Spekulationen man eingeht, desto mehr Zeit und Arbeit wird erforderlich. Man kann dabei hoffnungslos verwirrt werden. Wenn etwas schief läuft und dieser Fall wird mit Sicherheit eintreten, wird man in Panik geraten, da ein Problem nach dem anderen auftritt. Unerfahrene Trader geraten dann oft in eine Art Lähmung. Sie machen dann überhaupt nichts, weil sie dazu gezwungen sind, zu schnell zu viele schmerzhafte Entscheidungen zu treffen. Folge: Blackout.


Wenn man diese drei gewichtigen Nachteile der Diversifikation gegen ihren einzigen Vorteil – vermeintliche Sicherheit – abwägt, dann sieht die Sache nicht besonders vorteilhaft aus, wie ich meine. Ein wenig Diversifikation kann sicher nicht schaden. Zwei gute Spekulationen (Strategien), vielleicht auch drei oder vier, wenn sie alle gleichzeitig attraktiv erscheinen. Das ist hauptsächlich eine Frage persönlicher Vorlieben und individueller Denkgewohnheiten. Aber diversifizieren nur um der Diversifikation willen ist völliger Quatsch.

An der Wall Street gibt es ein bekanntes Sprichwort: „Lege deine Eier in einen Korb – und dann pass gut auf den Korb auf“. Der Mann, der dies als Erster sagte, war vermutlich kein Verfechter der Diversifikation, denn es ist bekanntlich viel einfacher, auf einen oder zwei Körbe aufzupassen, als auf ein Dutzend. Wenn ein Fuchs auftaucht, der deine Eier stehlen will, kann man es mit ihm aufnehmen, ohne dabei wild im Kreis herumspringen zu müssen.

Sicher gibt es noch weitere Punkte, die gegen diese Art von Spekulations- und Investmentphilsophie sprechen – die Aufzählung ist vermutlich nicht erschöpfend und leitet daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit ab.

Zusammenfassend will ich Folgendes festhalten:

An der Börse ist man gezwungen Geld zu riskieren. Das ist eine Tatsache, derer man sich bewusst sein muss. Und wer dies nicht wahrhaben kann oder will, hat in diesem „Haifischbecken“ nichts verloren! Man darf keine Angst davor haben, kleinere Blessuren davonzutragen. Die Risiken, mit denen man es bei bedachter Vorgehensweise im Regelfall zu tun hat, sind nicht unerträglich hoch.

Wenn man sich diesem Risiko stellt, nutzt man die einzige realistische Chance, jemals aus der Masse der wenig erfolgreichen Händler herauszutreten. Der Preis, den man für diese einzigartige Möglichkeit bezahlt, besteht in einem Zustand der „Besorgnis“. Aber diese Besorgnis ist nicht die Krankheit, für die die moderne Psychologie sie hält und uns einzureden versucht. Sie ist die Würze des Lebens! Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, wird man sie genießen.

Grüße Wolf
(Der mit dem Wolf tanzt)  🙂


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