Börse

tf1 Team 18. Juni 2009 0

Börse – Definition AUS WIKIPEDIA, DER FREIEN ENZYKLOPÄDIE

Börse ist ein organisierter Markt für Aktien, Anleihen, Devisen (Wertpapierhandel: englisch Brokerage) oder bestimmte Waren (z. B. Metalle und andere Rohstoffe). Ebenso werden hiervon abgeleitete Rechte gehandelt. An der Börse setzen Makler während definierter Handelszeiten Kurse (Preise) fest, die sich aus den bei ihnen vorliegenden Kauf- und Verkaufsaufträgen (Orders) ergeben. Durch Angebot und Nachfrage kommt es so zu einem Handel.

HINTERGRÜNDE

Eine Börse dient der zeitlichen und örtlichen Konzentration des Handels von fungiblen Gütern unter beaufsichtigter Preisbildung. Ziele sind eine gesteigerte Markttransparenz für Wertpapiere, die Steigerung der Effizienz und der Marktliquidität, die Verringerung der Transaktionskosten sowie der Schutz vor Manipulationen. Anders als im so genannten außerbörslichen Handel „over the counter“ (OTC-Handel) wird börslicher Handel börsenaufsichtsrechtlich durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie die Handelsüberwachungsstellen der Börsen kontrolliert.

Durch den in der ISO 10383 geregelten Market Identifier Code ist jede Börse genau wie jede andere Handelsplattform weltweit eindeutig identifizierbar.

Für An- und Verkäufer von Finanzprodukten übernehmen die Börsen die wichtige Funktion der zentralen Gegenpartei (Central counterparty).

NAMENSHERKUNFT

Die Entstehung des Namens Börse ist umstritten. Es gibt drei Theorien:

  • Verschmelzung des Namens der Patrizierfamilie „van der Beurse“ aus Brügge im 16. Jahrhundert mit dem lateinischen Begriff Bursa (für Fell, Ledersack) auf das Wort „Beurs“. Das Wort „Beurs“ wurde in vielen Sprachen übernommen: bourse, Börse, borsa, birsja usw.
  • Abänderung des Namens des Marktplatzes der niederdeutschen / niederländischen (heute belgischen) Stadt Brügge
  • Ableitung vom Namen der Patrizierfamilie „De Bourse“ aus Brügge, vor deren Haus sich regelmäßig italienische Kaufleute zu Geschäftsgesprächen trafen.

Die erste Börse wurde 1531 in Antwerpen gegründet, die Augsburger Börse entstand 1540 als erste in Deutschland. Das erste offizielle Börsengebäude der Welt wurde 1613 in Amsterdam eröffnet.

BÖRSENARTEN

  • Warenbörsen zum Handel von Waren, vor allem importierten und heimischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen waren die ersten Börsenarten. Später entstanden spezialisierte Produktbörsen und Spezialbörsen, die sich auf bestimmte Welthandelsgüter, wie Edelmetalle oder Kaffee spezialisierten.
  • Terminbörsen oder Warenterminbörsen, an denen Warentermingeschäfte abgewickelt und mit Derivaten gehandelt wird.
  • Wertpapierbörsen oder Aktienbörsen (die Bezeichnung Börse wird oft synonym für diese spezielle Form von Börsen gebraucht) für den Handel mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren
  • Devisenbörsen für den Handel von Fremdwährungen
  • Weiter existieren börsenähnlich organisierte Märkte, beispielsweise Dienstleistungsbörsen für Geschäfte im Verkehrs- und Versicherungsbereich, zum Beispiel Schifffahrtsbörsen.

BÖRSENFORMEN

Die klassische Form der Börse ist die Präsenzbörse (auch Parketthandel genannt). Dort treffen sich die Makler in persona und schließen durch Gespräche ihre Geschäfte ab. Dies geschieht entweder im Eigenhandel oder im Auftrag ihrer Kunden.

Bei Computerbörsen wie der Handelsplattform XETRA übernimmt ein computergestütztes Handelssystemdie Maklerfunktion. Hier werden Eingaben über Computermasken gemacht, das Computersystem wickelt den Handel ab und errechnet die Kurse (z. B. den Tagesdurchschnitt). Der Hauptanteil des Umsatzes wird gegenwärtig weltweit über computergestützte Börsen abgewickelt, wobei teilweise die Makler selbst am Bildschirm sitzen.

Die Definition der Börsenformen erfolgt dabei oft anhand der gehandelten Gegenstände:

  • Wertpapiere (Wertpapierbörse)
  • Waren, Produkte und Rohstoffe
  • Devisen
  • Dienstleistungen
  • Derivate
  • Elektrischer Strom (Strombörse – eine spezielle Art einer Terminbörse)
  • CO2 und andere Emissionen

Für die Abwicklung von Lieferung und Zahlung haben sich zwischen den Marktteilnehmern teilweise nicht-kodifizierte (festgeschriebene) Usancen gebildet. Daneben wurden in der letzten Zeit in Deutschland auch Anweisungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht über die Mindestanforderungen im Handel mit Wertpapieren veröffentlicht (z. B. Aktien oder Obligationen).

BÖRSENPFLICHTBLÄTTER

Verschiedene Kapitalmarktregeln verlangen eine Publikation bestimmter Vorgänge, die für das Börsengeschehen relevant sind. Börsennotierte Unternehmen und Wertpapieremittenten müssen alle Bekanntmachungen, die gesetzlich vorgeschriebenen sind, in den Pflichtblättern der entsprechenden Börsen veröffentlichen.

Die Zulassungsstelle einer Börse bestimmt mindestens drei inländische Tageszeitungen mit überregionaler Verbreitung als überregionale Börsenpflichtblätter.[1] Daneben kann sie weitere (regionale) Börsenpflichtblätter benennen.

Die Frankfurter Wertpapierbörse[2] und die deutschen Regionalbörsen haben die folgenden sieben überregionalen Börsenpflichtblätter für die Jahre 2007 und 2008 festgelegt:

  • Börsen-Zeitung
  • Financial Times Deutschland
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • Frankfurter Rundschau
  • Handelsblatt
  • Süddeutsche Zeitung
  • Die Welt

HANDELSFORMEN

Nach Handelsformen kategorisiert können folgende Arten von Börsen unterschieden werden:

  • die Market-Maker-Börse,
  • die Auktionsbörse,
  • sowie hybride Formen, wie z. B. Fortlaufender Handel kombiniert mit Auktionen.

Frühere Formen waren:

  • a la criée: Die Kauf- und Verkaufsaufträge durch gegenseitige Zurufe getätigt.

Nach Art der Abwicklung des Handels:

  • Termingeschäfte und
  • Kassageschäfte.

Eine weitere Unterscheidung ist nach der Art des Börsenhandels:

HANDELSZEITEN

Bei den Handelszeiten an allen Börsen wird unterschieden zwischen dem Parketthandel und dem Computerhandel (wie z. B. XETRA). Kleinere Börsen verfügen oftmals nur über den Parketthandel. Der Parketthandel beginnt in der Regel an allen Börsen um 09:00 Uhr Ortszeit und endet um 20:00 Uhr Ortszeit, der Handel auf XETRA endet bereits um 17:30 Uhr Ortszeit..

ÖKONOMISCHE BEDEUTUNG VON BÖRSEN UND WICHTIGE HANDELSPLÄTZE

Die Frankfurter Wertpapierbörse





Die weltweit größten Wertpapierbörsen (nach Handelsvolumen)





Die weltweit größten Wertpapierbörsen (nach Marktkapitalisierung)

International bedeutende Börsenplätze sind

  • New York City
    • New York Stock Exchange
    • New York Mercantile Exchange und
    • Computerbörse NASDAQ
  • London
    • London Stock Exchange
    • London Metal Exchange
  • Tokyo Stock Exchange
  • Frankfurter Wertpapierbörse
  • Hong Kong Stock Exchange
  • Singapur
  • Toronto Stock Exchange
  • SWX Swiss Exchange
  • Amsterdam/Paris/Lissabon/Brüssel (Euronext).

In Mittelosteuropa wird die polnische Warschauer Börse als wichtig angesehen.

Die weltweiten Börsen sind mit einem täglichen Transaktionsvolumen von etwa 2 Billionen US-Dollar ein entscheidender Faktor der Weltwirtschaft.

BÖRSENPLATZ DEUTSCHLAND

Die wichtigste Börse in Deutschland ist die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) (einschließlich der elektronischen Handelsplattform XETRA und EUREX). Ein Großteil des Aktienhandels in Deutschland wird über die FWB und XETRA abgewickelt (März 2008: Anteil am Handel mit deutschen Aktien rund 98 Prozent, bei ausländischen Aktien rund 84 Prozent[3]). Die FWB hat eine lange Tradition. Sie wurde bereits 1585 gegründet und hat sich seitdem zu einem der führenden internationalen Handelsplätze für Aktien und Anleihen entwickelt. Trägerin der Frankfurter Wertpapierbörse ist die Deutsche Börse AG. Sie ist für den Betrieb der FWB zuständig.

Außerdem gibt es in Deutschland noch sieben weitere Börsenplätze:

  • Börse Stuttgart
  • Börse München
  • Börse Hamburg
  • Börse Düsseldorf
  • Börse Hannover
  • Berliner Börse
  • Bremer Börse (bis 2007)

Diese Börsen werden als Regionalbörsen bezeichnet.

BÖRSENPLATZ USA

Die wichtigsten Börsen in den USA sind die American Stock Exchange (AMEX), die Chicago Mercantile Exchange (CME), die National Association of Securities Dealers Automated Quotations (NASDAQ), die New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die New York Stock Exchange (NYSE).

HISTORISCHE ENTWICKLUNG

GRÜNDUNGEN EINZELNER BÖRSE

LandName der BörseGründungsjahr (Quelle)Anmerkungen
BelgienBörse Brügge1409[4]Seit 1531 gibt es auch ein festes Gebäude[5]
BelgienBörse Antwerpen1460[4]
FrankreichBörse Lyonungefähr 1540[6]
DeutschlandAugsburger Börse1540[4]
DeutschlandBörse Nürnberg1540[4]
DeutschlandKölner Börse1553
DeutschlandHamburger Börse1558
GroßbritannienLondon Stock Exchange23. Januar 1571gegründet als Royal Exchange (London)
DeutschlandFrankfurter Wertpapierbörse1585[4]
NiederlandeAmsterdam Stock Exchange1613[7]Beschluss zum Bau der Börse im Jahr 1607, Eröffnung 1613
DänemarkKopenhagener Börse1639wurde von König Christian dem Vierten 1639 erbaut
DeutschlandLeipziger Handelsbörse1679
FrankreichPariser Börse24. September 1724[6]
DeutschlandBerliner Börse1731
PortugalLisbon Stock Exchange1. Januar 1769[8]
ÖsterreichWiener Börse1771
USANew Yorker Börse17. Mai 1792
IrlandIrish Stock Exchange1793
BelgienBrussels Stock Exchange2. Juli 1801[9]
ItalienItalienische Börse15. Februar 1808
PolenWarschauer Börse12. Mai 1817[10]
NorwegenOsloer Börse1819
DeutschlandBörse München1830
SpanienMadrid Stock Exchange10. September 1831[11]
IndienCalcutta Stock Exchange1830er
USAAmerican Stock Exchange1842
BrasilienRio de Janeiro Stock Exchange1845
MexikoBolsa Mexicana de Valores1850erster Handel 1850
SchweizBörse Genf1850
ArgentinienBuenos Aires Stock Exchange1854
SchweizBörse Zürich1855
TschechienBörse Prag1861Erster Handel in der Produktenhalle
KolumbienColombia Stock Exchange1861
UngarnBudapester Börse1864
SchweizBörse Basel1866
Türkeiİstanbul Menkul Kıymetler Borsası1866gegründet als Dersaadet Securities Exchange
KanadaMontreal Stock Exchange1872
GriechenlandAthens Stock Exchange1876Vorgängerinstitut gegründet 1870
USAChicago Stock Exchange21. März 1882
SüdafrikaJohannesburg Stock Exchange1887
ÄgyptenAlexandria Stock Exchange1888
BrasilienSão Paulo Stock Exchange1890[12]
SpanienBilbao Stock Exchange1890
ChileSantiago Stock Exchange1893[13]
ÄgyptenCairo Stock Exchange1903
KanadaVancouver Stock Exchange1907
FinnlandHelsinki Stock Exchange1912
LuxemburgLuxembourg Stock Exchange1929
VenezuelaCaracas Stock Exchange1947
JapanBörse Tokio1. April 1949am Kabutocho
NigeriaNigeria Stock Exchange1960
KolumbienMedellin Stock Exchange1961
USANasdaq8. Februar 1971
PeruBolsa De Valores De Lima (BVL)1971
BermudaBermuda Stock Exchange (BSX)1971[14]
MauritiusMauritius Stock Exchange1978
SlowenienLjubljana Stock Exchange26. Dezember 1989
UngarnBudapest Stock Exchange1990
ChinaShanghai Stock Exchange (SSE)26. November 1990
Republik MaltaMalta Stock Exchange24. Januar 1991
SyrienAmman Stock ExchangeJanuar 1996[15]
ZypernCyprus Stock Exchange29. März 1996

FUSIONEN UND ÜBERNAHMEN

  • 1973, Fusion aller britischen Börsen zur London Stock Exchange
  • 1995, Gründung der Schweizer Börse aus Fusion der Börsen Genf, Basel und Zürich
  • 1995, Fusion der London Stock Exchange mit der Irish Stock Exchange
  • 1. Dezember 1999, Gründung der Singapore Exchange Limited (SGX) durch Fusion der Börsen Stock Exchange of Singapore (SES) und Singapore International Monetary Exchange (SIMEX))
  • Dezember 2006, Übernahme der Euronext durch die NYSE und Umfirmierung zur NYSE Euronext

BEDEUTENDE BÖRSENEREIGNISSE

(Siehe Hauptartikel Börsenkrach)

  • Im Jahr 1929 geschah der heftigste Krach an der Wall Street am „Black Monday“ – Montag, dem 28. Oktober 1929. Der Dow Jones Industrial Average fiel von 298,97 auf 260,64 Punkte. Im Oktober 1929 hat es viele schwarze Tage an der Wall Street gegeben, ein schwarzer Freitag war aber nicht dabei. Freitag, der 25. Oktober 1929, wird fälschlicherweise oft als „Schwarzer Freitag“ bezeichnet; an dem Tag legte der Dow Jones Industrial Average jedoch 1,75 Punkte zu.
  • Durch die anhaltende Finanzkrise ab 2007 und mehreren Bankenpleiten kam es im September 2008 zu bedeutenden Kursrutschen. Neben dem Aussetzen einzelner Werte setzte unter anderem die Russische Börse mehrmals den Handel komplett aus.


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